«Wir wollen sofort wieder angreifen» – Badens Präsident Löhrli spricht über den dramatischen Abstieg, Trainer und Zukunft
Der Fussball kann manchmal brutal hart sein: Trotz eines beachtlichen Schlussspurts in den letzten acht Runden und einer Punktzahl (39), die in den vergangenen Jahren stets zum Klassenerhalt in der Promotion League gereicht hätte, steht der FC Baden als Absteiger fest. Ist dieser bittere Schicksalsschlag bereits verdaut? Welche Konsequenzen hat er zur Folge? Und wie richtet sich der Verein für die Zukunft aus? Präsident Hermann «Hermi» Löhrli spricht zwei Wochen nach dem tragischen Saisonfinale im Interview darüber.
Hermann Löhrli, am vergangenen Wochenende hat der FC Baden eine Supporter-Gruppe zum Saisonabschluss-Grill eingeladen. Wie war die Stimmung nach dem Abstieg?
Löhrli: Die Stimmung war eigentlich ganz in Ordnung. Zum Glück fand der Anlass eine Woche nach dem Abstieg statt – da war schon wieder etwas Gras über die Sache gewachsen. Etwa 15 Spieler waren ebenfalls anwesend, der Rest des Teams befand sich bereits in den Ferien.
War das bereits ein Commitment, dass die anwesenden Spieler beim FC Baden bleiben werden?
Nein, die Vertragsgespräche finden erst in den kommenden Tagen statt.
Der letzte Spieltag war äusserst dramatisch. Ein Tor hätte zum Ligaerhalt gereicht. Macht das den Abstieg besonders schwer verdaulich?
Absolut. Mit einem Sieg gegen Bulle wären wir jetzt Zehnter in der Tabelle – weit weg von der Abstiegszone. Das ist Wahnsinn. Ich habe den Eindruck: Nicht nur in der letzten Runde ist alles gegen uns gelaufen, auch während der gesamten Saison war das Glück nicht auf unserer Seite.
Hadern Sie noch mit den Umständen, wie es zum Abstieg gekommen ist?
Nein, das nicht. So langsam ist der Schock verdaut. Wir können ja ohnehin nichts mehr ändern und müssen nach vorne schauen – so funktioniert dieses Geschäft.
Was haben Sie für Reaktionen aus dem Umfeld erhalten?
Es gab aufmunternde Rückmeldungen, aber natürlich auch viel Kritik an den Entscheidungen der sportlichen Leitung. Man braucht eine dicke Haut in meiner Position. Die habe ich mir inzwischen angeeignet.
Was ist in dieser Saison schiefgelaufen, dass es so weit kommen musste?
Der Abstieg ist die Konsequenz der schwachen Hinrunde. Vielleicht hat uns der gute Saisonstart etwas geblendet, danach gerieten wir in einen negativen Strudel.
Die neue Mannschaft brauchte zu lange, um sich in der Liga zurechtzufinden.
Ich würde nicht sagen, dass sie zu lange gebraucht hat. Es war einfach den Umständen entsprechend, da es im Sommer einen Totalumbruch gab und so viele neue Spieler kamen. Es war klar, dass nicht gleich alles funktionieren konnte.
Also war die Hypothek des Abenteuers in der Challenge League einfach schlicht zu gross?
Es war eine Verkettung von Umständen, die uns in diese Position gebracht hat. Auch uns sind Fehler unterlaufen. Ich möchte nicht, dass der Aufstieg in die Challenge League rückblickend als Fehler betrachtet wird. Die Saison im Profifussball hat in der Region Begeisterung für den FC Baden und neue Ambitionen geweckt. Und wir haben auch gemerkt, wie viel Potenzial in diesem Klub steckt.
Machen Sie sich Vorwürfe? Oder machen Sie der sportlichen Leitung Vorwürfe?
Wir sind sehr knapp gescheitert und haben gegen Ende der Saison gezeigt, dass genug Qualität für die Liga vorhanden wäre. Deshalb ist es schwierig, deutliche Kritik zu üben. Natürlich ist nicht jeder Transfer aufgegangen, aber wir mussten im letzten Sommer nach dem grossen Umbruch auch einfach unter Zeitdruck das Kader auffüllen. Im Winter haben wir dann gut reagiert – praktisch jeder Neuzugang war eine Verstärkung.
Im letzten Spiel verlor die junge Mannschaft die Nerven. Fehlte im entscheidenden Moment die Erfahrung?
Das denke ich nicht. Wir hatten ja genug Chancen, um den entscheidenden Treffer zu erzielen. Wohl eher hat uns in dieser Saison einfach ein Goalgetter gefehlt.
Guter Punkt, der FC Baden hatte die zweitschwächste Offensive der Liga. Besonders die Stürmer haben die Erwartungen nicht erfüllt. Warum haben Sie im Winter nicht versucht, das mit einem Transfer zu korrigieren?
Man muss dazu sagen, dass wir auf dieser Position einfach auch Verletzungspech hatten. Dazu kam noch die unglückliche Trennung von Patrik Gjidoda. Gute Stürmer auf dem Transfermarkt zu finden, ist keine leichte Sache, sie kosten viel Geld. Leider haben wir keine passende Lösung für uns gefunden.
Die Stimmung nach dem Abstieg im Esp war brutal, die Fans zündeten Böller und Rauchtöpfe. Als die Spieler sich verabschieden wollten, wurden sie weggeschickt. Ex-Präsident Heinz Gassmann versuchte, die Gemüter zu beruhigen, was ihm glücklicherweise gut gelang. Wie haben Sie die Szene erlebt?
Ich möchte dazu gar nicht viel sagen. Natürlich gab es grossen Unmut, schliesslich sind wir abgestiegen. Ein Stück weit kann ich das sogar nachvollziehen. Die meisten Fans haben sich akzeptabel verhalten. Es waren Einzelne, die mal wieder den Bogen überspannt haben.
War es richtig, bis zum Ende an Trainer Genesio Colatrella festzuhalten?
Absolut. Rückblickend bin ich sogar froh, dass wir nach der hohen Niederlage gegen Luzern U21 an ihm festgehalten haben. Ich denke, kein anderer Trainer hätte mit dieser Mannschaft in den letzten acht Runden so viele Punkte geholt. Der Trainer hat die Spieler bis zum Schluss erreicht, das habe ich gemerkt.
Bleibt der Trainer also, obwohl er das Saisonziel Klassenerhalt verpasst hat?
Der Trainer steht nicht zur Diskussion. Wir sind weiterhin von seinen Qualitäten überzeugt und wollen gemeinsam mit ihm in der kommenden Saison angreifen.
Welche Konsequenzen hat dieser Abstieg in personeller Hinsicht?
Das kann ich noch nicht konkret sagen. Wie bereits erwähnt, führen wir Gespräche mit den Spielern und dem Staff. Demnächst wollen wir die ersten Verpflichtungen für die kommende Saison bekannt geben.
Noch keine konkreten Abgänge?
Co-Trainer Alain Schultz wird uns verlassen. Wir hätten ihn gerne behalten, aber er möchte einen Posten als Cheftrainer übernehmen, das können wir nachvollziehen. Auch Rino Luongo, Trainer der 2. Mannschaft, und Nachwuchs-Goalietrainer Sascha von Arx sehen sich nach einer neuen Herausforderung um.
Aber sind wir mal ehrlich: Der FC Baden wird die Mannschaft doch wohl kaum zusammenhalten können?
Natürlich wird es Abgänge geben, aber wir sind guter Dinge, dass es nicht schon wieder zu einem riesigen Umbruch kommt. Der FC Baden bleibt ein grosser Verein, auch wenn er nun in der 1. Liga Classic spielt. Dessen sind sich die Spieler bewusst.
Welche Spieler haben noch einen laufenden Vertrag für die nächste Saison?
Das sind vier Spieler: Davide Giampà, Daniele Romano, Patrick Muff und Elmedin Fazlic.
Torhüter Mirco Mazzeo hat eine starke Saison abgeliefert und erfreut sich auch grosser Beliebtheit bei den Zuschauern. Bleibt er?
Ich pflege einen guten Draht zu ihm – er arbeitet auch bei mir in der Parkgarage. Ich werde natürlich alles versuchen, um ihn bei uns zu behalten. Aber es ist klar, Mirco hat Ambitionen.
Wie sieht es bezüglich der Finanzen aus? Der FC Baden hatte bisher ein Budget von 1,4 Millionen Franken.
Wir müssen sicherlich reduzieren. Ich rechne sicher mit einer Einbusse von rund einem Viertel. Diverse Gespräche mit Sponsoren stehen noch an. Wir haben aber auch noch laufende Verträge. Ich bin guten Mutes, dass wir für die kommende Saison genug flüssige Mittel haben, um wieder angreifen zu können.
Bleibt die Aargauer Kantonalbank dem FC Baden als Hauptsponsor erhalten?
Die AKB verlieren wir leider, das wird uns finanziell schmerzen. Sie haben bereits in der Promotion League ein Auge zugedrückt. Ihr Sponsoring war eigentlich an den Profifussball in der Challenge League geknüpft.
Ehrenpräsident Heinz Gassmann sagte unlängst, der FC Baden gehöre mit seinen Möglichkeiten und seiner Tradition nicht in die 1. Liga Classic.
Das kann ich nur bestätigen, deshalb peilen wir den direkten Wiederaufstieg an.
Aber mit Verlaub, das wird eine Herkulesaufgabe. Zwischen 2006 und 2022 steckte der FC Baden 16 Jahre lang in dieser Liga fest und scheiterte siebenmal in den Aufstiegsspielen.
Das ändert aber nichts an unserer Zielsetzung. Wir wollen sofort wieder angreifen und in die Promotion League zurückkehren. Auch deshalb setzen wir bei der Trainerposition auf Kontinuität: Genesio Colatrella bleibt als Profitrainer angestellt. Wir behalten auch den hohen Trainingsrhythmus mit der Mannschaft bei.
Wenn man sportlich etwas Positives festhalten kann, dann die starke Entwicklung von Eigengewächs Jan Kalt. Auch Teodor Popov deutete in der Hinrunde sein Potenzial an, und auf der Bank sitzt mit Simon Zalokar ein talentierter Keeper. Wird künftig noch mehr auf die Badener DNA gesetzt?
Es ist unser Ziel, noch mehr Eigengewächse in die 1. Mannschaft zu führen. Diese Philosophie treiben wir voran, und wir streben künftig auch Umstrukturierungen im Nachwuchs an – sei es in der 2. Mannschaft oder mit einer neuen U16-Mannschaft.
Was ist mit der 2. Mannschaft geplant?
Wir werden sie verjüngen und und steigern das Trainingspensum auf viermal pro Woche. Die Spieler sollen noch fitter werden und somit näher an die 1. Mannschaft heranrücken. Aktuell suchen wir noch einen Trainer für das Team.
Wie geht es weiter bezüglich der Zusammenarbeit mit dem FC Aarau, wird es im Sommer einen Spieleraustausch geben?
Es ist noch nichts in Planung, aber das wird noch ein Thema. Es würde sicherlich ein paar Spieler geben, die für eine Leihe interessant wären. Wir sind dabei, den Austausch mit Aarau zu intensivieren. Schliesslich ist es auch im Interesse des Aargauer Fussballs, dass wir wieder enger zusammenspannen.
Was stimmt Sie zuversichtlich, dass der direkte Wiederaufstieg in der nächsten Saison gelingt?
Wir haben bereits in dieser Saison an unseren Strukturen gefeilt, leider ist der sportliche Erfolg in der 1. Mannschaft ausgeblieben. Aber deswegen alles zu verwerfen, wäre komplett der falsche Weg. Ich will auf Kontinuität setzen, gute Arbeit wird sich irgendwann bezahlt machen.