, Michael Wehrle, AZ

Schwarzer Rauch über dem Stadion Esp: Der FC Baden steigt dramatisch ab

Ist das bitter! Der FC Baden kommt am letzten Spieltag gegen den FC Bulle nicht über eine 1:1-Unentschieden hinaus. Und weil die Konkurrenz ihre Hausaufgaben erledigt, steigen die Badener aus der Promotion League ab.

Totenstille herrschte nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Andrin Borra. So genau wusste keiner, was das 1:1 gegen Bulle nun wert ist. Reicht das im Kampf gegen den Abstieg? Klar war, die Konkurrenten Lugano U21 und FC Zürich U21 hatten kurz vor Schluss noch 2:0 geführt und somit den FC Baden in die 1. Liga Classic verbannt. «Ist es fix», fragte Francisco Rodriguez, als er vom Platz kam. Keiner wusste es genau, die Liveticker arbeiteten nicht zuverlässig. Und so sassen die Badener mit hängenden Köpfen auf der Bank, standen umher und blickten ratlos in die Runde.

Immer lauter wurde es hinter dem Tor, im Fanblock wurde die Stimmung aggressiver. Platzwart Roger Frei versuchte zu beruhigen. Es half nichts. Sollen wir gehen oder nicht? So lautete die Frage unter den Spielern. «Geht nicht», hiess es. «Kommt wir gehen, wir stellen uns», fand Elmedin Fazlic. Ehrenpräsident Heinz Gassmann gab dann den Ausschlag. Vor der Mannschaft stellte er sich den wütenden Fans. Sprach auf sie ein. Viel half es nicht: «Verpisst euch», tönte es laut hinter der Bande. Dann krachten Böller, schwarzer Rauch nebelte die Fangruppe ein.

«Ich weiss nicht was richtig ist»

«Ich weiss wirklich nicht, was richtig ist», sagte der verletzte Captain Davide Giampà: «Auf der einen Seite jagen sie uns weg, kommen wir nicht, warten sie womöglich an einem anderen Ort.» Nach kurzer Zeit verschwand die Mannschaft dann in der Kabine. Und nahm auf dem Weg dorthin aufmunternden Applaus der Besucherinnen und Besucher von der Tribüne entgegen.

«Du kannst niemanden etwas vorwerfen», sagte Präsident Hermi Löhrli. Bis zuletzt habe die Mannschaft alles gegeben. «Der Ball wollte einfach nicht rein.» Und damit lag er sicher nicht falsch. Nach holprigem Start und dem 0:1, dem ein nicht geahndetes Foul an einem Badener Spieler vorangegangen war, glich Francisco Rodriguez noch vor der Pause aus. Und nach dem Wechsel warfen die Badener alles nach vorne. Rodriguez verpasste in der 65. Minute frei stehend. Dann häuften sich die Chancen –auf beiden Seiten. Die Badener öffneten die Abwehr, Bulle konterte. Badens Goalie Mirco Mazzee rettete, Elis Isufi und Thoma Monney blockten in letzter Sekunde.

Auf Badener Seite schoss der eingewechselte Diego Rhein um Zentimeter daneben, zwei Minuten später traf er die Latte. In der Nachspielzeit säbelte Sammy Kasongo fünf Meter frei vor dem Tor über den Ball. Das wär's gewesen. Und dann flog der Ball auch noch einem Spieler von Bulle an den Arm. «Klarer Elfmeter», fanden diejenigen Zuschauer mit freier Sicht. Der Schiedsrichter hatte nichts gesehen.

Und so blieb's beim 1:1 und dem Abstieg des FC Baden, weil die U21 des FC Lugano und des FC Zürich jeweils 2:0 gegen die Young Boys und den FC Basel siegten. Mit 39 Punkten abgestiegen, das ist ganz bitter. «Das ist ein Wahnsinn», kommentierte Trainer Genesio Colatrella.

«Mir blutete das Herz», sagte Gassmann nach dem zweiten Abstieg in Folge. «Doch abgestiegen sind wir nicht jetzt», betonte er. Den Klassenerhalt habe die Mannschaft früher verspielt.

 


Das Telegram

FC Baden – FC Bulle : (1:1)

Stadion Esp, Baden – 1345 Zuschauer. - SR: Borra. – Tor: 27. Berger 0:1. 32. Rodriguez 1:1.

Baden: Mazzeo; Kunz, Monney, Isufi, Iodice (45. Lewis); Holcbecher, Kalt (62. Kasongo); Rodriguez (75. Kasongo); Romano, Zivkovic (70. Brack), Haile-Selassie (70. Rhein).

Bemerkungen: 88.Lattenschuss Rhein. - Baden ohne Giampà, Muff, Popov, Peter, Scheidegger, Djordjic, Gjikollaj (alle verletzt.). – Gelb: 50. Monney (Foul). 60. Zivkovic (Reklamieren). 73. Hocbecher (Foul). 75. Colatrella (Reklamieren).