Erst ein Rückwärts-Salto, dann die Big Points: FC Baden schlägt Delémont und verlässt die Abstiegszone
«Dieser Owen Lewis ist bestimmt 37 Kilometer gelaufen», ruft jemand nach dem Schlusspfiff im Esp. Klar, Lewis rennt viel – aber gemessen am üblichen Laufpensum eines Fussballers (10 bis 12 Kilometer) ist das dann doch leicht übertrieben. «Ob es 37 waren, weiss ich nicht. Aber es waren schon einige – das habe ich am Schluss in den Beinen gespürt», sagt der 20-jährige Matchwinner mit einem Grinsen.
Unermüdlich war sein Einsatz im Spiel gegen den SR Delémont auf jeden Fall. Lewis war nämlich Badens X-Faktor in diesem heiklen Abstiegsknüller. Immer wieder wurde er mit weiten Bällen in die Tiefe geschickt. Nicht immer agierte er glücklich – in der ersten Halbzeit scheiterte er gleich zweimal alleine vor dem gegnerischen Tor.
Doch der 20-Jährige gab sich nicht auf und belohnte sich in der 76. Minute mit dem Treffer zum 1:0. Von Davide Giampà in die Tiefe geschickt, liess er sich nicht zweimal bitten und brachte das Leder mit einem präzisen Schuss an Goalie Steven Oberle vorbei. Es war zugleich die Entscheidung in dieser umkämpften und hitzigen Partie. «Die Läufe in die Tiefe sind meine Stärke, die Mannschaft weiss das. Deshalb versuchen wir es immer wieder – und ich bin sehr glücklich darüber, dass es nun aufgegangen ist», analysiert Lewis nach dem Spiel.
Der FC Baden spielte gegen SR Delémont so, wie man als Tabellenschlusslicht mit dem Rücken zur Wand eben spielen muss: defensiv konzentriert und auf Konter ausgerichtet. Und das ging gegen die hoch pressenden Jurassier auf. Dafür brauchten sie in erster Linie einen starken Abwehrverbund – angeführt von den beiden druckresistenten Innenverteidigern Thoma Monney und Elis Isufi – sowie einen überragenden Torhüter. Und den hatten sie mit Mirco Mazzeo. Mit mehreren Glanzparaden liess er Delémonts Offensive verzweifeln und hielt die Null fest.
Festhalten lässt sich nach 96 Minuten gegen Delémont auch: Der FC Baden hat Big Points eingefahren – und zwar gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten. Und weil auch Lugano U21 verloren hat, klettern die Badener gleich auf Platz 15. Die Lage bleibt allerdings prekär, weil der Abstand zur Abstiegszone nur zwei Punkte beträgt. Mut machen sollte zwei Runden vor Schluss die Formkurve. In den letzten sechs Partien holte die Mannschaft von Genesio Colatrella drei Siege, zwei Remis und eine Niederlage und kassierte insgesamt nur drei Gegentreffer. So spielt kein Absteiger.
Entsprechend gibt sich auch der Trainer nach dem Schlusspfiff optimistisch: «Es war ein enges Spiel auf Messers Schneide, das auf beide Seiten hätte kippen können. Kein spielerischer Leckerbissen unsererseits, aber das kann man in dieser Situation auch nicht erwarten. Wir haben das Herz auf dem Platz gelassen und so das Glück erzwungen.» Er kommt zum Entschluss: «Verteidigen können wir, das haben wir nun mehrmals bewiesen. Zudem bin ich auch mit der Leidenschaft, die wir auf den Platz gebracht haben, sehr zufrieden. Was die Torgefahr anbelangt, können wir noch zulegen. Aber wir gehen dank diesem Sieg mit grosser Zuversicht nach Vevey am kommenden Spieltag.»